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Berühmte Kreter: El Greco – der Grieche von Toledo

El Greco in "Berühmte Kreter"
"Porträt eines Mannes". Für eine lange Zeit genoss dieses Bild einen erheblichen Ruhm als Selbstporträt. Obwohl es keine Abbildungen des Künstlers gab, wurde dieses Gesicht in einigen seiner Werke entdeckt. Das Porträt dürfte El Greco in seinen 50er Jahren darstellen, es wurde aber auch mit seinem Bruder Manusos in Zusammenhang gebracht.

Kreta, wo Dominikos Theotokopoulos (El Greco) 1541 in Candia (dem heutigen Heraklion) zur Welt kam, war zu seiner Zeit venezianische Kolonie. Auf Kreta wurde Dominikos Theotokopoulos ausgebildet zum Ikonenmaler.

In fünf Lehrjahren lernte er einen byzantinischen Stil, der die orthodoxe Tradition mit westlichen Einflüssen verband, welche über Druckgrafiken aus Venedig auf die Insel gelangten. Aus dieser Welt der feierlich erstarrten Heiligenbilder strebte das Malertalent bald weg.

El Greco in "Berühmte Kreter"

„Heilung des Blinden“ /El Greco, ca. 1570 / Pappelholz, 65,5 × 84 cm / Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden

 

Sein Ziel war Venedig

Dass er auf der Insel Kreta bereits als Meister anerkannt war, belegt der Auktionsverkauf einer »Passion Christi« für 70 Dukaten.
In die Lagunenstadt kommt er 1567. Venedig und Rom sind die Zentren der Kunst, Tizian hat sich an allen Höfen Europas durchgesetzt, Tintoretto und Veronese sind die tonangebend rivalisierenden Meister der venezianischen Spätrenaissance. Der Kreter wird Schüler Tizians, dessen Licht- und Farbgestaltung und die damit erzielte räumliche Tiefenwirkung für ihn prägend werden. Daneben studiert er intensiv Veroneses Knallfarben und Tintorettos gewagte Raumkonstruktionen.

Bald aber will der Grieche seinen Wirkungskreis erweitern und bricht 1570 nach Rom auf.

Ein hervorragender Ruf nicht nur als Schüler Tizians, sondern auch als Porträtist eilt ihm voraus. Und er wird Michelangelos Fresken in der Sixtina für sich entdecken, die so tiefe Spuren in seinem Werken hinterlassen. Die Stadt aber erweist sich als Schlangengrube voller ehrgeiziger, um die Mäzene buhlender Künstler. Einer Anekdote zufolge entwurzelt ihn ein Skandal: Der Biograf Giulio Manzini schreibt, dass der Kreter aus Italien fliehen musste, nachdem er dem Papst angeboten hatte, Michelangelos »Jüngstes Gericht« im Geist der Gegenreformation zu übermalen. Damit zieht er den Zorn von Roms Künstlergemeinde auf sich, an eine italienische Karriere war nicht mehr zu denken.

Im Jahr 1577 folgte sein zweiter großer Aufbruch: nach Spanien

El Greco in "Berühmte Kreter"

„Blick auf Toledo“ / El Greco, 1597–1599, Öl auf Leinwand, 121,3 × 108,6 cm cm / Metropolitan Museum of Art

El Greco hatte schon Kontakte nach Toledo, aber auch die umfangreichen Baumaßnahmen am Escorial zogen ihn an. In Madrid wurde er zurückgewiesen, als er sich mit dem Gemälde »Die Anbetung des Namens Jesu« bei König Philipp II. empfehlen wollte. So wurde er im 70 Kilometer entfernten Toledo sesshaft.

Den ersten Auftrag erhielt er vom Dekan der Kathedrale für die »Entkleidung Christi« in der Sakristei. Noch heute befindet sich dort das große Altarbild, das einen kultischen Zusammenhang zum Umkleideraum der Priester herstellen sollte. Die Auftraggeber waren jedoch nicht zufrieden, da er drei Marien hinzugefügt und Jesus kleiner als die Schergen dargestellt hat. Ab da wurde der Maler el Greco genannt. Die alte Signatur seiner Bilder in griechischen Buchstaben hat er ein Leben lang beibehalten.
Vierzig Jahre lang erfüllte El Greco die Stadt am Tajo und von dort aus Kastiliens Kirchen mit Altarwerken, die Säle der Ritter und Prälaten mit jenen Bildnissen, auf denen weiße Spitzenkrägen die Köpfe fest umschließen. Beispielhaft für den genialen Porträtisten ist das Bildnis des bebrillten Kardinals und Großinquisitors Fernando Niño de Guevara.

 

El Greco stirbt im Jahre 1614 hoch verschuldet

El Greco in "Berühmte Kreter"

„Begräbnis des Grafen von Orgaz“ / 1586–1588 / 4,80 Meter hoch & 3,60 Meter breit / ausgestellt in einer Seitenkapelle der Pfarrkirche Santo Tomé in Toledo

und gerät für Jahrhunderte fast ganz in Vergessenheit. Für seine Rehabilitation von fundamentaler Bedeutung wird das Jahr 1902, als der Prado ihm erstmals überhaupt eine Werkschau widmet.
1911 kulminiert die El-Greco-Manie in einer großen Schau in der Münchner Pinakothek. Direktor Hugo von Tschudi zeigt so spektakuläre Bilder wie »Die Entkleidung Christi« und den »Laokoon«. Paul Klee beschreibt, wie sich der »Strom der Besucher hinten beim Greco zum tiefen See staut«. Und Franz Marc jubelt 1912 im Manifest des Blauen Reiters: »Cézanne und Greco sind Geistesverwandte über die trennenden Jahrhunderte hinweg«, denn »beide fühlten im Weltbilde die mystisch-innerliche Konstruktion, die das große Problem der heutigen Generation ist«.

Zu Lebzeiten irritierte der Grieche mit seinem verzerrt expressionistischen Stil; seiner Zeit war er um Jahrhunderte voraus.

Erst in der beginnenden Moderne erhielt er die Anerkennung, die seinem herausragend eigenwilligen Werk gebührt. Launisch, fremd und extravagant wurde seine Kunst genannt, mit der er die Mysteriendramen interpretiert und in ekstatische Körper gegossen hat – bleich und verklärt, Licht strahlend und Farb­en-entleert. Giftig-grelle Akzente züngeln über die Faltenwürfe, samtschwarz verdüstern sich die großen Szenarien. In flackerndem Pinselduktus trifft Schwefelgelb auf reines Kobalt und Spanischgrün, changiert kaltes Kardinalsrot zu graurosa Inkarnat.

  • Ihr last Segmente eines Artikels von Irmgard Berner. Für den kompletten Artikel bitte weiterlesen auf www.zeitkunstverlag.de.

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